Abstract
<jats:p>Die Arbeit untersucht biografisch erzählende Bilderbücher über Anne Frank und Janusz Korczak als Medien der Erinnerungskultur. Im Fokus steht die literaturwissenschaftliche Analyse der narrativen und visuellen Verfahren, mit denen historische Persönlichkeiten und der Holocaust im Medium Bilderbuch dargestellt werden. Ausgangspunkt ist das Spannungsverhältnis von Fakt und Fiktion im biografischen Erzählen sowie die Frage, wie Bilderbücher individuelle Lebensgeschichten in kollektive Erinnerung überführen. Theoretisch stützt sich die Untersuchung auf Konzepte des kulturellen Gedächtnisses und der Erinnerungsliteratur, insbesondere auf die Arbeiten von Aleida Assmann und Astrid Erll, deren Modell der „Rhetorik des kollektiven Gedächtnisses“ mit Michael Staigers Bilderbuchanalyse verbunden wird. Die Analyse zeigt, dass Bilderbücher durch Verdichtung, Intermedialität und Authentizitätsstrategien spezifische Formen erinnerungskulturellen Erzählens hervorbringen. Damit wird das Bilderbuch als eigenständiges literarisches Medium der Holocaust-Erinnerung und der kulturellen Gedächtnisbildung profiliert.</jats:p>